Donnerstag, 24.05.2018 19:45 Uhr

Das Rätsel des menschlichen Bewusstseins

Verantwortlicher Autor: Jens Zillich Luzern, 22.01.2018, 11:47 Uhr
Presse-Ressort von: Jens Zillich Bericht 4673x gelesen

Luzern [ENA] Können wir in der Mathematik die Gedanken Gottes erkennen? Sind wir uns der Realität bewusst? Ist unser Bewusstsein Realität? Ist der Geist primär, oder doch unser Hirn? Die 12. Schweizer Biennale zu Wissenschaft, Technik und Ästhetik in Luzern versuchte am 20.Januar 2018, diese und weitere unbeantwortbare Fragen in Referaten international renommierter Wissenschaftler zu thematisieren.

Nach einer Einleitung des Biennale-Gründers Dr. phil. Renè Stettler, entführte uns der via Skype aus Cambridge zugeschaltete Prof. Sir Martin Rees, Königlicher Astronom, Master of Trinity sowie Mitglied des UK´s House of Lords, in die Weiten unseres Universums bzw., je nach wissenschaftlicher Betrachtungsweise, Multiversums. Aber auch in die Tiefen unseres Gehirns. Wissen wir über weit entfernte Galaxien mehr als über das, was in unseren Köpfen passiert? Einiges lässt sich durch wissenschaftliche Forschung für die Zukunft prognostizieren, anderes definitiv nicht, z.B. Wandel in der Technik oder die Entwicklung künstlicher Intelligenz.

Vielleicht können und müssen selbstlernende Computer ohne Bewusstsein menschlicher werden, weil Menschen ihr volles Potenzial oftmals nicht ausschöpfen können. Evolutionär kann dies bedeuten, dass der Mensch als überflüssige Spezies nur weiterexistieren kann, wenn Mensch und Maschine verschmelzen, um die heutige, veraltete singulare Daseinsform des Menschen weiterzuentwickeln. Dies hat schon begonnen und wir sind mitten in Anfängen. Nehmen Sie dem Berufspendler sein Auto, dem 14-jährigen seine Xbox oder dem Manager sein Handy. Alles, was sie nicht mit ihrer eigenen Energie antreiben und ihnen dieses auf irgendeine Art das Leben erleichtert, bedeutet diese Verschmelzung von Mensch und Maschine.

Dazu gehört auch der Backofen und die Spülmaschine, die elektr. Zahnbürste und der Fernseher. Falls sie es darauf beschränken möchten, vergessen sie diesen Gedanken, er wird in 500 Jahren lächerlich erscheinen. Bereits bis Ende dieses Jahrhunderts wird unser Sonnensystem vollständig erforscht sein. Doch egal, was man findet, es wird keine Lösung für die Probleme auf der Erde sein. Falls man Lebewesen auf anderen Planeten findet (oder es uns findet), bedeutet das nicht Lebewesen in unserem Verständnis, sondern Maschinen oder Lebensformen, die sich unserer Vorstellung völlig entziehen.

Das liegt wohl an einer Denkbarriere, Sir Martin Rees nennt dies Intrinsische Grenze. Wir erforschen und verstehen den Zusammenstoss von 2 Schwarzen Löchern, die Lichtjahre entfernt sind, aber nicht die Struktur unseres Gehirns. Der Mensch hält sich für den Höhepunkt der Evolution, doch sind wir nicht immer noch der Anfang der Entwicklung, deren Verlauf wir überhaupt nicht begreifen können? Wahrscheinlicher ist, dass der Mensch bzw. unsere Nachfahren, sich in ferner Zukunft von uns so sehr unterscheiden wie wir von den ersten einzelligen Lebewesen. Warum?

Der Drang des Lebens ist es, die Existenz fortzusetzen, das muss nicht bedeuten, das Leben in der heutigen Form erhalten zu müssen, nur weil uns als Mensch dieser Gedanke angenehm erscheint und wir uns unserer Spezies bewusst sind. Prof. Dr. Donald Hoffmann, Kognitionswissenschaftler an der University of California, greift diesen Gedanken auf und versucht jedoch, Argumente gegen eine physische Entstehung des Bewusstseins zu finden. Ist unser Bewusstsein beschränkt und abhängig von der Umgebung und der Existenz des Gehirns und haben wir das Bewusstsein unter den Lebewesen exklusiv? Man geht ja allgemein davon aus, dass der Mensch das einzige Lebewesen ist, dass sich seines Bewusstseins bewusst ist.

Wie entsteht die Realität in unserem Bewusstsein? Sehen wir die Realität so wie sie ist? Prof. Donald Hoffmann bezieht klar Stellung und sagt, die Realität ist Fiktion. Unsere Wahrnehmung hat mit der Realität nichts zu tun. Wir konstruieren Realität und wir Re - konstruieren. Doch wie nützlich ist Wahrnehmung, wenn sie nicht der Realität entspricht? Wen wir einen Computer benutzen oder eine App auf dem Handy, vereinfachen wir die Bedienung, indem wir diese Funktionen nutzen. Kein Mensch käme auf die Idee, den Computer aufzuschrauben, um eine Email zu versenden.

Ebenso hält unser Gehirn nützliche Apps bereit, die uns das Überleben vereinfachen und die bei Bedarf bewusst oder unbewusst gedrückt werden, weil die Technik, die sich hinter diesen Brain-Apps verbirgt, schlichtweg nicht zu verstehen ist. Christiane Sprenger hat bereits in ihrem Buch “Lassen sie ihr Hirn nicht unbeaufsichtigt“ bemerkt: „Wenn wir so intelligent wären, dass wir unser Gehirn verstehen könnten, dann wären wir doch so dumm, dass wir es nicht verstehen würden“. Unser Bewusstsein und unsere Realität sind Theorien, die irgendwann widerlegt werden. Um zu überleben aber, müssen wir uns eine eigene Realität schaffen, um die uns umgebende, viel zu komplizierte Welt, zu verstehen.

Wir benötigen also eine leicht bedienbare Benutzeroberfläche für eine unfassbar komplizierte Technik. Prof. Dr. Marcelo Gleiser, Professor für Naturphilosophie sowie Theoretische Physik und Astronomie/USA, hinterfragt noch etwas philosophischer: Warum existieren wir? Und wie lange noch? Die Natur ist viel gescheiter, als wir es sind. Wir nehmen nur einen Bruchteil dessen war, was wahrnehmbar wäre. Einige Wissenschaftler gehen davon aus, dass wir mittels unserer Sinnenorgane nur ein Zehnmillionstel bewusst und unbewusst wahrnehmen, weil wir einfach zu mehr nicht in der Lage sind.

Aber das genügt, und deshalb hat die Natur das so eingerichtet, um unserer Spezies noch ein etwas Zeit zu verschaffen. Deshalb kann unsere Objektivität nicht real sein, völlig unmöglich. Die Aufgabe des Hammers ist es, einen Nagel im Brett zu versenken. Der Nagel ist seine Realität. Vielleicht ist es die evolutionäre Aufgabe des Menschen, einen ihm zugeteilten Zweck zu erfüllen und nicht, mehr zu sehen und zu verstehen, als wir müssen, um unsere evolutionäre Aufgabe zu erfüllen. Die Erde gibt es seit ca. 14 Mrd. Jahren, und wahrscheinlich gibt die Sonne uns noch 5-6 Mrd. Jahre. Menschen gibt es, nach aktuellen Erkenntnissen, seit ca. 200.000 Jahren. Welche Lebewesen wird in 1.Mrd.Jahre auf der Erde geben? Rein Biologische oder Hybriden?

Ganz sicher keine Menschen nach unserer heutigen Definition. Wenn nun diese Nachfahren auf einen Zeitstrahl der Erdgeschichte schauen, werden sie ziemlich weit links den Urknall sehen (falls dann diese Theorie noch Bestand hat), daneben Einzeller, Dinosaurier und irgendwo lange danach einen winzig schmalen Zeitstrich, uns Menschen. Wissenschaften können versuchen, alle Fragen zu beantworten. Jedoch können wir nur Antworten finden auf Dinge, für die wir auch Fragen haben. Aber vielleicht gibt es ja Dinge, für die wir noch nicht mal Fragen haben, also es Dinge gibt, die so weit ausserhalb unseres Bewusstseins und unserer Denkmöglichkeiten stehen, dass wir garnicht wissen, dass wir sie nicht wissen.

Gleiser unterteil dies in 4 Stufen: Wissen, Unwissen, Unbekanntes, Unwissbares. Wie können wir aber nun schlussendlich verstehen, wer wir sind? Garnicht. Gibt es eine definitive Realität? Ja. Die Frage ist, wieviel wir davon erfassen können.

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